Donnerstag, 20. September 2012

Nullnummer der Woche: Einkaufen bei EDEKA

"Wir lieben Lebensmittel." Hmm. Der durchschnittliche EDEKA-Verkäufer liebt vermutlich nicht mal seinen Job, geschweige denn die Lebensmittel, die er verkauft. Einkaufen in unserem lokalen EDEKA Supermarkt ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis. Weniger eins, auf das man sich freut. Eher ein notwendiges Übel. Und alles beginnt in der Obst- und Gemüseabteilung.
"Guten Tag, wir haben eine Frage...!" während sich die Dame in der Obstabteilung abwesend Pfirsichreste unter ihren Gelnägeln hervorpulte, suchten unsere Augen verzweifelt den ausdruckslosen Kern der ihren. Keine Reaktion. Rasch bildet sich in unseren Köpfen ein Bild geformt aus Desinteresse und Inkompetenz unseres Gegenübers. Gedanken wie "Nun gut, dass die Dame uns nicht hört und sieht geht vermutlich daruf zurück, dass sie nicht die hellste Kerze auf der Torte ist, vielleicht sollten wir uns einfach ein bisschen lauter und asozialer geben, damit sie uns wahrnimmt, denn mit Freundlichkeit scheint man hier nicht weiterzukommen." (Der Tag bisher war aber auch miserabel!) "Vielleicht machen ihr auch Monatsbeschwerden zu schaffen, wer weiß?" Noch während wir uns diesen bösen Gedanken hingeben, erreicht ein Blitzen unser Blickfeld. Wahrhaftig, ein klar erkennbares Glitzern. Sollte sie uns doch wahrgenommen haben? Ein Gefühl von Euphorie breitet sich aus. Sollte sie... Doch halt, der Blick der Dame haftet noch immer auf ihren, vermutlich von flinken Fingern einer vietnamesischen "Nail Designerin" zurechtgefeilten Acrylnägeln. Die erschreckende Wahrheit war, dass das Glitzern von einem kleinen rosa Strasssteinchen auf ihrem Ringfinger herrührte und nicht das Aufblitzen von Interesse in ihren Augen war.
Jetzt in Hogwards sein und mal lässig einen "Avada Kedavra" aus dem Ärmel schütteln, vielleicht bekämen wir so Aufmerksamkeit. Vielleicht nicht mehr von ihr, aber von jemand anderem. Wen die Dame allerdings wahrnimmt, ist ihre Kollegin, deren Kopf wir zwischen den anderen Kohlköpfen gar nicht gesehen haben. Wir fanden die von uns gesuchte Ware dann auch ohne Hilfe, doch trotzdem wären wir nicht abgeneigt gewesen, hier eine Nummer wie Arnold Schwarzenegger in "True Lies" abzuziehen. Leben oder Tod. Hass oder Liebe. Fallen oder Stehen. Eine so schnelle Entscheidung treffen, dass selbst Usain Bolts Sprints lahm aussehen lassen. Und diese Entscheidung lautete, weiteres Obst und Gemüse zu ignorieren (wird eh überbewertet) und gleich weiter zum Fleisch zu gehen.
Neuster Clou hier ist, dass der Kunde jetzt an der Wurst- und Fleischtheke eine Nummer ziehen muss. Wie im Amt. Auf dem kleinen Zettelchen, den man dann erhält steht auch noch der großartige Spruch: "Geregelte Reihenfolge ist wunderbar". Wie bitte? Wunderbar? Wohl eher sonderbar. Aber natürlich muss alles seine Ordnung haben. Schließlich sind wir ja in Deutschland. Doch ist der Andrang wirklich so hoch, dass das Management zu solchen Methoden greifen muss? 


Wie Sie sehen, werter Leser, steht hier die Nummer 40. Wir standen eine halbe Stunde vor Feierabend, also um 21:30 Uhr vor der Theke. Lässt die Nummer 40 nicht darauf schliessen, dass wir die 40. Kunden sind, die heute eine Nummer gezogen haben? Wenn das der Fall ist, hätten die Damen und Herren Verkäufer hier in 14,5 Stunden nur 39 weitere Kunden bedienen müssen. Da fragen wir uns doch, braucht man für 2,69 Kunden in der Stunde ein Ordnungssystem?
Als wie das letzte Mal Rindermett kauften, wies uns die etwas in die Jahre gekommene Fachverkäuferin nicht unbedingt freundlich darauf hin, ob wir eine solche Nummer gezogen hätten. Dass wir die einzigen Kunden waren und die dämliche Nummernzieherei keinen Sinn gemacht hätte, hat sie vermutlich nicht mitbekommen. Wir verneinten.

FV:
"Naja, da will ich mal ein Auge zudrücken. Was darfs denn sein?"

EM:
"100 Gramm Rindermett bitte."

FV:
(sehr ungläubig)
"100 GRAMM???"

EM:
"Ja. 100 Gramm."

Es soll ja Kunden geben, die solche Wünsche haben. Die Frage ist natürlich auch, was es die Dame angeht, ob wir 100 Kilogramm oder 100 Gramm haben möchten.

FV:
(verpackt die Ware)
"Und außerdem von der Fleischtheke?"

EM:
"Wir hätten gerne noch vier Scheiben Heidefrühstück."

FV:
(etwas patziger)
"Ja, DAS ist dann aber von der Wursttheke. Ich wollte wissen, ob Sie von der Fleischtheke noch was wollen."

EM:
"Aber ist das nicht alles das gleiche? Grob gesehen doch totes Tier, oder?"

FV:
"NEIN. Das ist Wurst."

EM:
(genervt und resigniert)
"Gut, dann sind wir beim Fleisch fertig und widmen uns jetzt der Wurst wenns recht ist."

FV:
"Was darfs hier sein?"

Wirklich? Echt? Vermutlich hatte die gute Frau über ihre Entrüstung, dass wir Fleisch und Wurst nicht auseinander halten können vergessen, was wir noch wollten.

EM:
(nur noch resigniert)
"Vier. Scheiben. Heidefrühstück."

Weiter. Denn der Spaß ist ja noch nicht vorbei. Als nächstes geht es in die Backabteilung. Hier wird nicht an Auswahl oder am Preis, sondern an Interesse von Mitarbeitern gespart. Da will man als Kunde mit einem Schamgefühl eigentlich nur ein paar Brötchen kaufen, doch man überlegt es sich sehr schnell anders, denn der Aufdruck: "Bitte Ware nur mit Zange entnehmen" wird von den meisten anderen Kunden vermutlich nicht wahrgenommen. Wozu müssen sie eine Zange nehmen, wenn sie doch zwei Hände haben? Wenn wir dann andere Kunden darauf ansprechen, warum sie nicht das geeignete Greifwerkzeug zur Erhaltung eines Mindestmaßes an Hygiene verwenden, erhalten wir keine Antwort. Aha. Wir diagnostizieren eine Leseschwäche oder Taubheit. Oder Ignoranz. Oder alles. Großartig.
An diesem speziellen Tag war eine Dame mittleren Alters sich nicht ganz schlüssig, welches Brötchen es denn sein darf. Sie drückte in jedes einmal mit der Hand hinein und entschied sich dann für einige, die vermutlich ihren Kriterien entsprachen. Wir konnten nur noch mit offenem Mund dastehen. Einen Mitarbeiter darauf angesprochen ernteten wir nur ein abwesendes "Ja, das tut mir leid." Das tut Ihnen leid? Diesen geheuchelten Satz, den man sich noch antun muss und der sowieso nichts verändert, können sich sich hinstecken, wo die Sonne nicht scheint. Wir kommen zur Erkenntnis, dass dieser Mitarbeiter vermutlich seine Brötchen an einem anderen Platz kauft. So wie wir.
Aus vertraulichen Quellen erfuhren wir hinterher, dass es im SB-Backshop auch einiges zu berichten gibt, was der Kunde vor den Glaskästen gar nicht mitbekommt. Hier wird im Akkord gebacken und zu jeder Zeit müssen alle Kästen gefüllt sein. Auch kurz vor Feierabend. Was dann nicht mehr gekauft wurde, wird gnadenlos in der nächsten Mülltonne entsorgt. Nicht, dass es vielleicht Einrichtungen gäbe, an die man die überschüssige Ware weiterleiten könnte... Natürlich nicht. Die vorher genannten und doch nicht genannten Quellen berichteten auch, dass noch warme Ware, die eben aus dem Ofen kam, gleich entsorgt wurde. Wie pervers ist das denn? Nicht mehr warm auf den Tisch, sondern warm in die Mülltonne. Wenn das Liebe ist (wir erinnern uns an den Slogan), dann ist die Hölle vermutlich ein Kindergeburtstag mit Satan als Clown, der kleine Luftballonhunde vor sich hindreht.
"Schokolade!" schießt es uns durch den Kopf. Da kann man nichts falsch machen. Da ist die Welt noch in Ordnung. Glaubten wir. Aber auch natürlich fanden wir hier etwas, was uns in unseren Grundfesten erschütterte. Nun können wir nicht genau sagen, wen man dafür verantwortlich machen kann. Fakt ist, dass diese Verpackungen so im Regal liegen:


"Mit Genuss verführt." Eigentlich erwarteten wir die übliche Mitdreißigerin mit pseudo-akademischem Hintergrund. In ihrem Mund blitzt eine Reihe lächerlich weiß gebleichter Zähne und sie liegt unglublich gelöst und entspannt im Arm eines schmierigen Kai-Pflaume-Verschnitts auf einer matschfarbenen Porta-Couch mit unzähligen dazu passenden Kissen. Ihre Modelmaße lassen darauf schließen, dass der Riegel Schokolade, den sie sich in den Mund schieben möchte diesen Weg vermutlich niemals finden wird. Trotzdem soll es zum Kauf und anschließendem Verzehr anregen.
Doch stattdessen fanden wir diesen armen kleinen Jungen auf der Verpackung, der alles andere als erfreut darüber zu sein scheint, von dieser schrumpeligen Hand des alten Mannes ein Peters-Produkt angeboten zu bekommen. Hmm. Bringen Bild und Text in Kombination einen nicht sofort dazu, über Pädophilie nachzudenken? Also mal ehrlich. Das mutet an, als hätte die Firma Peters ihren Sitz im Vatikanstaat.
Nach diesem schockierenden Erlebnis denken wir, dass es eigentlich nicht schlimmer werden kann, doch wir haben offenbar unsere Rechnung ohne EDEKA gemacht. Wir entdecken den "Sahneboy" für 29,99€ in ihrem Sortiment. Hier ist es schon schwieriger, vor Lachen, das wir zurückzuhalten versuchen, nicht in Ohnmacht zu fallen. Sahneboy?!? Nicht wirklich, oder?


Resignierend gehen wir in Richtung Kasse, um dort auf etwa 20 Kunden aber nur ein geöffnetes Bezahlportal zu treffen. Doch was ist das? Die Kassiererin beugt sich vor, tippt mit ihren drei Zentimeter langen Acrylfingernägeln auf einen kleinen Knopf und lässt eine Stimme durch den Markt schallen, die einem durch Mark und Bein geht: "EIMA KASSE BÖSÄZN!!!!!" Was ist aus dem für den Kunden kryptischen und so interessant klingenden "15 bitte die 9. 15 bitte die 9." geworden? Wir möchten am liebsten über das Förderband hechten, ihr das Mikrofon aus der Hand reissen und all unserem Frust freien Lauf lassen und schreien, was wir wirklich über alles hier denken. Stattdessen warten wir, bis die Rentnerin vor uns die 9 Euro und 78 Cent auch wirklich passend aus ihrem Portmonnaie gepult hat, nur um als wir dann an der Reihe sind auch noch gefragt zu werden, ob wir denn eine Deutschland Card hätten.
"NEIN!!! VERDAMMTE AXT! Und jetzt ziehen Sie die drei Teile über den Scanner und belästigen gefälligst jemanden, der auf diese platte Konversationsnummer reinfällt und kein Privatleben hat!!!!". Das wäre doch mal originell.
Doch das würde vermutlich mit einem häßlichen Rechtsstreit enden. Wir denken darüber nach, ob wir nicht unseren eigenen Supermarkt eröffnen sollten und erkennen, dass bis es soweit ist, guter Geschmack eben weiterhin einsam macht.

Donnerstag, 13. September 2012

Sei anders

"Wo sich alle in der Masse verstecken möchten, ist Individualität kein Wert mehr. Uniformität wird aber nicht nur von der Obrigkeit verordnet, um den Einzelnen am Denken zu hindern, sondern Uniformität kann sich eine Gesellschaft auch selbst verordnen, um nicht mehr denken zu müssen und die Individulität des Geistes quasi per Mode-Diktat auszumerzen."

-Hauke Brost in "Das kleine Buch der schlechten Menschen"

 ...



... oder auch nicht. Das Motto heute: "Trau dich! Sei anders". Muss guter Geschmack einsam machen?

Donnerstag, 6. September 2012

Nullnummer der Woche: Kein Taktgefühl im Metronom

Eine Zugfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die macht Spaß... NICHT. Penelope Mode bereichtet exklusiv vom nordischen Konkurrenzunternehmen der Deutschen Bahn.

Man sagt, der Zug sei nach dem Flugzeug das sicherste Transportmittel der Neuzeit. Das glaube ich sofort: Deutsche Wälder ziehen wie ein grüner Teppich vorrüber, die Sonne wirft ihr warmes Licht durch die doppelt verglasten Fensterscheiben. Man kann entspannen, lesen und schla... schlaa... schlaaa...!
Nein, leider nicht möglich. Während AC/DCs Worte "Highway to Hell" an mein Trommelfell dringen, versuche ich vergeblich, meine Augen zu schließen und dem Komfort der blau-gelben Polstersitze des Metronoms* zu frönen. Zum Takt des Pulsierens meiner Halsschlagader habe ich kurzerhand auf "This is the new shit" von Marilyn Manson gewechselt. Das Zugpersonal des Metronoms sollte jedem Fahrgast vor Fahrtantritt die Mao-Bibel aushändigen, damit man sich während der Zugfahrt für das kleinere Übel entscheiden kann.
Ein Jahr lang ertrug ich die seelische Folter durch 300 Dezibel laute Zugdurchsagen: "Wir möchten auch die in Versagis-Town zugestiegenen Fahrgäste an Bord des Metronoms begrüßen. Der nächste planmäßige Halt ist dann in Kürze...!". Den Rest habe ich dann leider nicht mehr vernommen, da ich durch einen spontanen Hustenanfall meine Ohren zu überlisten versuchte. Mir muss niemand einen geheuchelten einstudierten "schönen Tag noch" wünschen. Und überhaupt, woher nimmt das Zugpersonal die Gewissheit, dass mein Tag bisher positiv verlaufen ist? Leute, ihr seids... NICHT!
Warum zum Teufel muss mich eine Stimme daran erinnern, dass ich unter keinen Umständen mein Handgepäck vergessen darf? Möglicherweise wäre es den Versuch wert, mal einen Schal in die Ritze des Sitzes zu stopfen, um zu sehen, was passiert. Vielleicht ist es wie bei Howard Carter und man lebt innerhalb von zwei Wochen ab. Oder das Mädchen von "The Ring" ruft an und säuselt einem unmissverständlich ins Ohr, dass man nur noch sieben Tage zu leben hat. Da ich beide Varianten für unwahrscheinlich halte, charakterisiere ich die Aufforderung des "Nicht-Vergessens" als absolut überflüssig und hat etwa soviel Relevanz wie Angela Merkels Mann bei Staatsbesuchen.
Warum also die Dauerbeschallung im Metronom? Nein, bitte nicht den alten Schlager vom deutschen schwerhörigen Rentner. Liebe Mitmenschen über 65, auf einer einmal im Jahr stattfindenden Kaffeefahrt nach Suderburg kann man nicht annähernd die Hitze des Höllenfeuers spüren. Die Brandmale werden erst sichtbar, wenn man öfter als einmal pro Woche mit Satans Gefährt unterwegs ist.
Wer nach der Fahrt im Metronom noch nicht taub ist, hat noch eine Chance auf einen Hexenschuss oder einen Herzinfarkt. Zu harte Polstermöbel und Armlehnen aus vermutlich billig lakiertem, politisch inkorrektem Tropenholz sorgen für einen Komfort, der gegen Null geht. Lärmende Kinder und Heranwachsende, die vorzugsweise in kleinen Dörfern zusteigen, setzen dem Ganzen schließlich die Krone auf. Bis man schließlich wie der Elefantenmensch am Ziel- und Endbahnhof aus dem Zug kriecht und sich wünscht, man wäre nie aufgestanden.

Liebes Metronom-Team,
ich begrüße Sie in meinem Leben, in dem ich Ruhe und Entspannung brauche. Wir erreichen in Kürze meinen Verstand, der mit Ihrer Art zu Denken nicht kompatibel ist. Ich wünsche Ihnen einen grauenvollen Tag und hoffe, Sie nie wieder an Bord meines Kopfes begrüßen zu müssen.

Macht jetzt also nicht nur guter Geschmack, sondern auch das innere Bedürfnis nach Ruhe einsam?

* Den Namen "Metronom" erhielt dieser Zug des Konkurrenzunternehmens der Deutschen Bahn vermutlich, weil er sich wie ein Pendel der Grausamkeit zwischen Göttingen und Hamburg bewegt.

Samstag, 1. September 2012

Nullnummer der Woche: Kindergebrüll

Schreien und rohe Gewalt scheinen bei manchen Problemen eine großartige, einfache, schnelle, effektive und befriedigende Lösung zu sein. Aber so einfach kommt der gute und wohlerzogene Mensch nicht davon, denn der Gesetzgeber versteht keinen Spaß, wenn es um Gewalt geht. Jedenfalls auf dem Papier.
Hmm. Was wir brauchen, ist ein genialer Masterplan. Einer, der den garantierten Erfolg bringt. Aber wenn wir es druchziehen, wo kriegen wir dann die Waffen und das nötige Equipment her? Wo finden wir ein Einsatzkommando wie aus "The Expendables"? Wird es ein Blutbad geben oder ein paar gezielte Schläge gegen...
Sehen Sie, werter Leser, was hier passiert? Die Gedanken fangen an, in eine kriminelle Richtung zu schnellen. Das ist an sich ja kein Problem, doch wie soll man sich selber stoppen, wenn man einmal in den Strudel der Rachegedanken geraten ist?
Lärm macht nicht nur unglaublich aggressiv und krank, er ist auch extrem nervig. Und immer scheinen nur wir die Menschen zu sein, die Lärm durch Kinder als störend empfinden. Wir sind ja nun wirklich nicht pingelig. Aber sind wir denn gleich die griesgrämigen Menschen, die peinlich genau wie Vertreter des Spießbürgertums auf den hundertstel Dezibel abmessen, wieviel Lärm durch die Nachbarschaft hallen darf, wenn wir uns über absolut überflüssige Lärmemissionen von Anwohnerkindern ärgern?
Nein, werter Leser. Sind wir nicht. Auch sollten wir uns von pseudo-verständnisvollen Mitbürgern, die "antiautoritäre Erziehung" für eine der Zeit angemessene Idee halten, nicht überzeugen lassen, dass wir mehr Toleranz aufbringen müssen. Müssen wir nicht. Wir sind es leid, immer nur Rücksicht auf andere zu nehmen. Nie nehmen andere Rücksicht auf uns. Was sich hier wie eine Ungerechtigkeit auf Kindergartenniveau anhört, ist in Wirklichkeit eine soziale Ungerechtigkeit, die jeden etwas angeht.
Kindergebrüll ist zum Beispiel eine der Lärmbelästigungen, die man laut Gesetzgeber hinnehmen muss. Kinder sollen sich frei entfalten können. Kinder sollen sich in die Gesellschaft integriert fühlen. Kinder sollen Kinder sein. Das sind unserer Meinung nach auch nette Denkansätze. Aber was wird für die Erwachsenen getan, die von dem ewigen Kreischen einfach die Schnauze gestrichen voll haben? Früher hat es doch auch funktioniert, da haben Kinder mit anderen gespielt, Spaß gehabt und konnten sich frei entwickeln. Jedenfalls wäre es uns noch nicht aufgefallen, dass die letzte Gerneration von gestörten soziopathischen Serienmördern geprägt ist. Aber vielleicht gelten wir auch schon als Soziopathen, wenn wir lärmende Kinder nicht akzeptieren wollen. Oft scheinen Umziehen oder Gewaltgedanken die Lösung zu sein. Aber was hat sich im Laufe der Jahre verändert, dass wir Kinderlärm einfach nicht mehr ertragen wollen? Wir sind ja für das Äußern von gewagten Theorien bekannt, also versuchen wir es einmal. Obacht:
Kinder sind laut, sie entdecken die Welt, sie sind komisch, haben keine Ekelgrenze und eine fragwürdige Art von Humor. Dass Kinder nerven ist zwar einfach gesagt, aber versetzen wir uns einmal in so ein Kind. Das ist, als beträten wir ein bestehendes Gesellschaftskonstrukt ohne genau zu wissen, wie es funktioniert. Wir müssten auch an die Hand genommen werden und man müsste uns auch Richtig und Falsch erklären und uns ermahnen, wenn wir etwas tun, was gesellschaftlich als nicht akzeptiertes Handeln eingesuft wird. Und genau hier liegt unserer Meinung nach einer der Knackpunkte. Dieser Punkt wird von vielen Eltern einfach ignoriert. Ist ja auch viel leichter so zu tun, als wäre etwas nicht da, als sich mit einer unbequemen Wahrheit auseinandersetzen zu müssen. Das Kinderkriegen war ja schon schwer genug, aber dann muss man diese kleinen Genträger auch noch erziehen? Nee, also das geht jetzt zu weit. Gott sei Dank wachsen Kinder ja quasi von alleine. Was sie aber nicht von alleine lernen, ist, wie sie sich in eine Gesellschaft integrieren müssen. Dazu sind die Erwachsenen da. Klingt logisch, oder?
Politiker setzen sich immer wieder dafür ein, dass Kindern mehr Rechte zugesprochen werden. Sie sollen von der Gesellschaft nicht ausgegrenzt werden und Kindertagesstätten seien am besten in Wohngebieten aufgehoben. Klar, wenn man in Berlin Frohnau oder Wannsee residiert, kann man einfach sagen, dass der moderne Plebejer lärmende Kinder hinzunehmen hat. Danke, ihr Vertreter des Volkes.
Was auch wir erst lernen mussten, ist, dass es uns wenig vorangebracht hat, unseren Zorn gegen die Falschen zu richten. Kinder sind in diesem Fall nur begrenzt schuldfähig. Sie sind zwar die Verursacher des Lärms, aber die für sie zuständige Legislative versagt in vielen Fällen völlig. Kindererziehung ist kein Kinderspiel. Soviel steht fest, aber wenn man sich dazu entscheidet, auf Verhütungsmittel zu verzichten, muss man auch die Konsequenzen bewältigen können. Eltern müssen vor allem eine Geduld an den Tag legen, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Auch mit der Kinderaufzucht ist es wie mit Tieren. Ständiges Wiederholen ist der Schlüssel zum Erfolg. Kinder haben gegenüber Tieren den Vorteil, dass sie irgendwann in der Lage sind, zu sprechen. Naja, wenn man es ihnen denn beigebracht hat. Doch warum sind heutige Kinder so anders? Oder sind die lärmgeschädigten Menschen wie Sie und wir einfach nur komisch? Wir denken, dass es mit daran liegt, dass wir in einer leistungsorientieren und starkt miteinander konkurrierenden Gesellschaft leben. Das eigene Kind muss immer das Beste, das Schnellste, das Pfiffigste und natürlich das Erfolgreichste sein. Und wenn dann mal gespielt werden darf, dann kann auch mal so richtig die Sau rausgelassen werden. Ja, Nachbarn, mein Kind arbeitet hart daran, so zu sein, wie es ist, gönnen wir ihm doch die Freiheit, dann auch mal laut zu sein. Doch bleiben dabei nicht die Bedürfnisse von Kindern auf der Strecke? Keine Ahnung, aber zwischen Geige, Karate, Ballett, Klavier, Hausaufgaben, Benimmschule, Hockey, Leichtathletik und vielen anderen Aktivitäten zur Förderung von weiss-Gott-was kann man bestimmt noch einen Termin beim angesagten Kinderpsychologen quetschen. Vielleicht kann der ja helfen.
Die Generation unserer Eltern war auch laut und hat es auch gewusst, Erwachsene bis zur Weißglut zu treiben. Aber wissen Sie, was damals, vor circa 50 Jahren passierte? Da wurde diszipliniert, wenn etwas nicht stimmte. Damit meinen wir nicht, dass physische Gewalt eine Lösung ist, nein, vielmehr haben die Nachbarn es sich nicht nehmen lassen, auch mal ein bisschen lauter zu werden. Ja, da hatte man noch Respekt, wenn man mit tiefer, lauter Stimme ein Kind zur Ordnung gerufen hat, heute erhält man stattdessen eine Vorladung vor Gericht.
Vielleicht sollte es in der Stadt neben der Umweltzone auch eine Kinderzone geben. Eltern sollten mit ihren Kindern auf soziale Verträglichkeit hin untersucht werden. Es sollte Plaketten für Kinder geben. Aber da das von bestimmten Gruppen als zu menschenverachtend eingestuft wird, können wir nur weiter von einer ruhigen Zone ohne Kinderlärm träumen und einsehen, dass guter Geschmack eben weiterhin einsam macht.

Dienstag, 28. August 2012

Boah! Juhngä...! Von der Verwahrlosung der deutschen Sprache

Deutsche Sprache - schwere Sprache. So sagt der Volksmund. Doch der Mund des Volkes tendiert immer mehr dazu, diese schwere Sprache zu vergewaltigen. Aber warum passiert das immer wieder? Warum scheint die junge Generation nicht mehr in der Lage zu sein, sich vernünftig zu artikulieren? Werden wir einfach zu alt? Sind wir zu engstirnig? Wären wir in der Lage, in der Zeit zurückzureisen und beispielsweise Herrn von Goethe oder Herrn Schiller einen kurzen Besuch abzustatten - was sagten sie?
Sprache wird nicht nur von den Menschen, die sie sprechen, sondern von vielen anderen Faktoren geprägt. Bildung und der Einfluss anderer Kulturen sind genauso ausschlaggebend wie Modewörter. Natürlich sprechen wir heute nicht mehr wie noch vor 100 Jahren. Ja, selbst das Vokabular unserer Eltern erscheint uns heute veraltet. Und die sind selten älter als ein Jahrhundert. Fakt ist, dass unsere Eltern die Hände über ihren Köpfen zusammenschlagen, wenn sie uns in unserer natürlichen Umgebung reden hören. Aber warum? Immerhin lehrten uns unsere Eltern das Sprechen. Mal mehr, mal weniger.
Uns persönlich kräuseln sich die Nackenhaare, wenn wir im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind. Gruppen junger Menschen erfreuen und erschrecken uns gleichermaßen täglich aufs Neue mit völlig neuen Formen von Satzbau, Wörtern und Aussprache. Ausdrücke aus fremden Sprachen werden gerne eingebaut und von vielen übernommen, ohne konkret zu wissen, was sie eigentlich bedeuten. Sie setzen sich dem Hohn und Spott der Bevölkerung aus. Moment mal, Hohn und Spott? Wohl eher nicht, denn das durchschnittliche Niveau befindet sich unserer Meinung nach auf einem neuen Tiefpunkt. Auf einem epischen Tiefpunkt.
Niemandem scheint es mehr etwas auszumachen, zu den Taxis zu gehen, sich auf Globussen nach neuen Reisezielen umzuschauen, im Rastaurant einen Schanti mit Expressos zu bestellen, bei akutem Krankheitsbild Antibiotekas einzunehmen oder auf ganze Satzteile wie Präpositionen und Artikel zu verzichten.
Neulich saßen wir wieder einmal neben so einem mitteilungbedürftigem Menschen in der U-Bahn, der lauthals (und schon alleine das ist eine Beleidigung für die Ohren) verkündete "Isch bin Bahn.". Lassen wir uns diesen kläglichen Versuch eines Satzes mal auf der Zunge zergehen. Sehen wir auch von der Unfähigkeit ab, ein "ch" auch wie ein "ch" aussprechen zu können.
"Ich bin Bahn." Vermutlich sollte die korrekte Satzform einige Mehrinformationen wie ein Verb, eine Präposition und einen Artikel enthalten. So unsere Vermutung. Aber läuft hier eine völlig neue Form der Kommunikation ab? Sind moderne Minderjährige in der Lage, Gedanken zu lesen und zu wissen, ob die Person am anderen Ende in der (!) Bahn sitzt, steht, liegt, tanzt, schreit, schläft oder gar pinkelt? Doch was soll man auch erwarten, wenn die Bild-Zeitung mit Schlagzeilen wie "Wir sind Papst!" aufwartet, circa 12,5 Millionen Menschen dieses verinnerlichen und das Ganze somit in die Annalen der deutschen Geschichte eingeht und gleichzeitig den täglichen Sprachgebrauch verändert. Wir schreiben hier nicht einem einzelnen Blatt die Schuld in die Schuhe, aber wer so viele Leser erreicht, sollte sich seiner Verantwortung durchaus bewusst sein. Vielleicht ist das Ganze aber auch Teil eines perfiden Plans, besonders viele Bauern für die nächste Schachpartie zu haben. Doch diese fallen, wie man nicht erst seit Magneto weiß, als Erstes.
Auch Anglizsmien stehen ganz oben auf unserer Hassliste. Nicht, dass andere Sprachen nicht respektabel wären, nein, es ist vielmehr der falsche Gebrauch dieser fremden Wörter. Sportereignisse mit Gleichgesinnten auf einer grossen Leinwand auf einem öffentlichen Platz anzuschauen wird gerne als "public viewing" bezeichnet. Einzeln übersetzt scheinen diese Wörter auch den Sinn widerzuspiegeln. "Public" wird mit "öffentlich" und "viewing" mit "sehen" übersetzt. Also der Aussage nach ein "öffentliches Sehen". Nicht. Die korrekte Übersetzung aus dem Englischen wäre an dieser Stelle "öffentliche Aufbahrung". Richtig gelesen. Hier ist das (an sich schon fragwürdige) Anschauen von nicht mehr lebenden Personen gemeint. Und das kann ja wohl kaum der Zweck dieses Zusammenkommens sein, oder?
Auch diese großartigen und hippen Taschen-Rucksäcke, die von hinten wie ein Turnbeutel aussehen, vorne ganz flott mit nur einem Gurt vor die Brust geschnallt werden, vor einigen Jahren noch so unglaublich angesagt waren und hierzulande als "bodybags" angepriesen wurden, haben eine völlig andere Bedeutung. Es sind schlicht Leichensäcke. Genau, diese feschen schwarzen Säcke, in denen tote Menschen vom Tatort zu Boerne in die Pathologie transportiert werden.
Also Obacht bei der nächsten Konversation.
Doch nicht nur die gesprochene, sondern auch die geschriebene Sprache ist vor einer solchen Schändung nicht gefeit. Vorbild hier ist wie sooft die englische Sprache. Der Eigenname der Firma McDonald's wird zwar mit einem Apostroph geschrieben, aber auch nur, weil das im Englischen Sinn ergibt und grammatikalisch fehlerfrei ist. Das heisst aber nicht, dass das fastfoodgeschädigte Gehirn das ins Deutsche übertragen kann. "Wie geht's denn so?" ist schlicht falsch und sieht komisch aus. Zumindest für das geschulte und sich kümmernde Auge. Wenn wir Menschen fragen, warum sie ein Apostoph an einer Stelle verwenden, wo eigentlich nur ein leerer Raum sein sollte erhalten wird nicht selten die Antwort "Weil das ist eben so...". Aha. Hier liegt also nicht nur eine Zeichensetzungsschwäche vor, sondern auch gleich noch ein massives Satzbauproblem. Wo fangen wir da bloß an? Nach langem Überlegen und in Betracht ziehen, die Freundschaft zu kündigen, kommen wir zum Schluss, dass jeder eine zweite Chance verdient und fragen nach DEM deutschen Humoristen, der wie kein zweiter Formulierungen schrieb und das deutsche Bildungsbürgertum prägte. Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow, besser bekannt als Loriot.

EM:
"Schonmal den Namen Loriot mit den Feinheiten der deutschen Formulierungskunst in Verbindung gebracht?"

OUPDADFGW (offensichtlich ungebildete Person, die aus dem Freundeskreis gestrichen wurde)
"Häääh? Kenn ich nicht."

EM:
Danke. Tschüß.

So einfach könnte es sein, wenn Menschen konsequent wären. Sind sie aber nicht und deswegen macht guter Geschmack eben weiterhin einsam.

Montag, 27. August 2012

Nullnummer der Woche: Deutsche Dienstleistung im Einzelhandel.

Es soll ja Länder geben, in denen das Wort "Service" eine andere Bedeutung als in Deutschland hat. Da sollen Mitarbeiter Kunden freundlich begrüßen, auf individuelle Wünsche eingehen und dabei auch noch lächeln.
Aber nicht so in Deutschland. Hier wird "Service" nicht groß geschrieben, in den meisten Fällen steht er nicht einmal im Kleingedruckten. Aber wie genau äußert sich diese Serviceunbereitschaft und woher kommt sie eigentlich? Ist es erblich? Ist es ansteckend? Was kann man dagegen tun? Und gibts da auch was von ratiopharm?
Schlechter Service scheint sich hierzulande wie eine Pandemie auszubreiten. Heimtückisch schleicht er sich von hinten heran und schlägt zu, wenn man es am wenigsten erwartet. Und was noch viel schlimmer als schlechter Service ist, sind die Menschen, die sich schlechten Service gefallen lassen und nichts dagegen unternehmen. Jeder kennt diese Personen, die immer Ausreden für lausiges Verhalten von Verkäufern finden. Meist sind diese aber genauso glaubhaft wie Versprechen von Politikern. Ein Sack heißer Luft, der schick aussieht, aber anfängt zu lachen, wie das Pillsbury Teigmännchen, wenn man es in den Bauch stupst.
Aber seien wir mal ehrlich. Als zahlender (!) Kunde betritt man einen Laden. Wie man hier weiter behandelt wird, hängt tatsächlich davon ab, wie teuer die angepriesene Ware ist. Betritt man ein Geschäft wie H&M muss man damit rechnen, dass die hippen und coolen Verkäufer, die dort arbeiten, einen selber nicht wahrnehmen, denn man ist ja leider nicht so hip und cool wie dieses Personal. Aber Moment mal, Personal. Heisst das nicht, dass man Arbeitnehmer dafür bezahlt, eine gewisse Arbeit zu erledigen? Eigentlich schon. Eigentlich... Vielleicht liegt diese Arbeit aber auch darin, sich untereinander zu unterhalten und Kunden ab und an mit einem Satz abzufertigen. Diese Standardantwort wird Kunden in unregelmäßigen Abständen immer wieder entgegengebrummt. Klassische Konversation:

Kunde:
"Entschuldigen Sie, ich habe mal eine Frage. Wo finde ich bitte schwarze Pullover?"

Verkäufer:
(rollt eine Kleiderstange neben sich her und ruft ohne stehenzubleiben und zu gucken)
"Nur noch das, was da hängt! Da musst du mal gucken."*

Kunde:
"Nur noch das, was da hängt? Junge Dame, ich machte mir ja gerne ein Bild von  "nur noch das, was da hängt" wenn ich denn nur wüsste, wo ich suchen muss. Und: Dürfte ich Ihnen vielleicht das "Sie" anbieten?"

*(Auf die Problematik des Duzens wird in einem späteren Artikel nochmal eingegangen. Nicht, dass Sie jetzt dächten, dass wir so etwas tolerieren. Nein! Aaaaber nicht mit uns.)

Aber da ist es auch schon zu spät. Die Verkäuferin ist flink zwischen dem umfangreichen Sortiment verschwunden. Frust steigt auf. Mordgelüste werden geweckt. Man ärgert sich. Kurz: Man wird zum Hulk.
Eine andere Art, die Kunden zu behandeln, ist die schiere Arroganz. In hochpreisigeren Geschäften wie Mäntelhaus Kaiser (wo ein schwarzer Pullover auch gerne mal 260 Euro kosten darf) geht man ganz anders mit Kunden um. Das geschulte Personal kann nämlich mit treffender Genauigkeit einschätzen, wer zur Kundschaft mit dem nötigen Kapital gehört. Nicht.
Wir haben exklusiv den Test gemacht. Erscheint man in einem legeren Outfit bestehend aus Jeans, einem schlichten Pullover, einem Tragebeutel, Turnschuhen, ohne Make Up und einem "hatte-ich-heute-morgen-mal-keine-Lust-meine-Haare-kunstvoll-aufzudrehen-Knoten", so wird man automatisch in die Kategorie "zahlungsunfähig" eingestuft. Toll, wie schnell das funktioniert. Man wird von oben bis unten und wieder zurück gemustert und da man optisch nicht dem gängigen betuchten Kundenkreis entspricht, kann man folglich auch gar kein Geld besitzen. Klingt total logisch, oder? Zum Glück leben wir ja in einer Welt, in der man einen Menschen super nach seinem Äußeren beurteilen und dann gleich den korrekten Eindruck haben kann. Auf dieser Logik basierend wird man mit Absatzschuhen, einer schicken Hose mit einem fein darauf abgestimmten Seidenoberteil und einer Longchamp Tasche gleich ganz anders begrüßt. Ob man denn Hilfe bräuchte, ob man sich die neue Kollektion angucken möchte, ob man etwas zu trinken haben möchte...
Da Deutsche ja gerne auf eine Argumentation zurückgreifen, die sich mit Ereignissen beschäftigt, die ca. 80 Jahre in der Vergangenheit liegen, dachten wir, dass wir vielleicht hier einen Erklärungsansatz finden könnten. Es lässt sich ja sonst so vieles mit dieser Zeit legitimieren. Es wäre einen Versuch wert.
Wir fragen uns, woher diese Art von schlechtem Service herrührt. Schliesslich brachten ja die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg auch Teile ihrer Kulturen mit. Davon scheint aber nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Servicebereitschaft, wie man es aus Amerika kennt, scheint auf deutschem Boden ausgestorben zu sein und das einzige, was von dem amerikanischen Einfluss noch übriggeblieben ist, sind Kindernamen wie "Jason", "Kevin", "Mandy" "Jessica" und "Jaden" (aber auch das ist ein anderes Thema). Eine befriedigende, alles erklärende und richtige Antwort zu finden, scheint unmöglich.
Aber eine gewagte Theorie ließe sich hier äußern:
Die Problematik des schlechten Services setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Ständiger Personalwechsel, Löhne, die dem Personal nicht abverlangen können, neben erscheinen zur Arbeit auch noch freundlich zu sein. Aber auch das Bildungsniveau und die persönliche Einstellung zu anderen Menschen spielen eine Rolle. Warum also soll jemand, der 6,13 Euro die Stunde verdient, auch noch gute Laune verbreiten? Bei einem solchen Stundenlohn reicht es gerade einmal, halbwegs pünktlich bei der Arbeit anzukommen. Das Problem scheint auch zu sein, dass man auch mit Unfreundlichkeit das gleiche Ziel wie mit Freundlichkeit erreicht. Für viele Menschen scheint es über die persönlichen Grenzen des Machbaren hinauszugehen, freundlich zu sein.
Wo früher Tadel vom Chef verteilt wurde, wird heute auf Managementebene nicht einmal mehr mit der Wimper gezuckt. Warum muss man sich also anstrengen, freundlich, nett und zuvorkommend zu sein, wenn es mit Unfreundlichkeit und Ignoranz auch funktioniert? Vor wem muss man hier Rechenschaft ablegen? Richtig, vor niemandem. Auch wird der Verkäufer immer mehr zum austauschbaren Objekt und das Management scheint hier keine klaren Ansprüche mehr an das Personal zu stellen. Die Kunden kaufen die Ware. Egal, was passiert. Schade eigentlich. Wie Sie sehen, es gibt viele Ansätze, aber keine befriedigende Lösung.
Wie schon am Anfang erwähnt, ist nicht nur der dürftige Service hier ein Problem, sondern auch die Unbereitschaft der Kunden, sich über einen solchen auf Geschäftsführungsebene zu beschweren. Ist ja auch viel einfacher, einen muffeligen Verkäufer hinzunehmen und sich hinterher zu sagen "naja, auch der hat bestimmt mal einen schlechten Tag", als zum Telefon zu greifen und für das einzustehen, was man denkt. Macht man sich als Kunde aber doch diese Mehrarbeit, ist das Management plötzlich extrem einsichtig und entschuldigungsbereit. Aber trotzdem scheint es auf lange Sicht gesehen wenig zu verändern, denn der Anteil der Kunden, die sich tatsächlich beschweren, ist viel zu gering.

Wer also möchte, dass sich wirklich etwas ändert, der muss aktiv werden, sonst wird guter Geschmack eben weiterhin einsam machen.

Samstag, 18. August 2012

Nullnummer der Woche: Tomatensuppe Toscana

Viele haben sich beworben, aber nur einer hat es geschafft. Die erste Nullnummer der Woche stellt unserer Meinung nach die Firma Knorr. Aber alles hübsch der Reihe nach. Nichts schlimmes ahnend schlendert man als Kunde mit Anspruch (vermutlich liegt hier auch der Fehler) durch die örtliche Supermarktkette. Mäßig sortiert und der eigene Geschmack scheint nur ein Garant dafür zu sein, dass genau vorausgesagt werden kann, welche Produkte eine "neue bessere Rezeptur" (die nur neu aber nicht besser ist) bekommen oder ganz aus dem Sortiment genommen werden. Auch gilt hier die feste Regel: Nur nicht laut aussprechen, was man gerne kauft, denn das landet noch viel schneller auf besagter Abschussliste. Aber zurück zur Nullnummer.
Penelope Mode berichtet:
"Mit Lebensmitteln ist es wie mit der richtigen Hautpflegeserie: Unter Umständen dauert es Jahre, bis man die für einen passenden Produkte gefunden hat. Und dann befindet man sich in dieser außergewöhnlichen Situation, im Supermarkt kostbare Lebenszeit zu sparen, indem man erhobenen Hauptes zu seinem Wahlprdukt vorprescht und sicheren Griffes den Gaumenschmaus aus dem von Neonleuchten angestrahlten Regal zu fischen.
Um meinen kleinen Hunger zu stillen, bediente ich mich bis zur letzten Woche an dem umfangreichen Angebot an Suppen für "Feinschmecker". Die Firma Knorr hat es meiner Meinung nach stets verstanden, für die figurbewußte Frau von heute Suppenkreationen zu produzieren, die durch Geschmack, sorgfältig ausgewählte Zutaten und Qualität auf höchstem Niveau bestechen und überzegen.
Da schreite ich nun guter Laune an einem aussichtsreichen Freitagnachmittag durch den Supermarkt meines Vertrauens, als ich Appetit auf meine Lieblingstomatensuppe verspürte und umgehend die dritte Packung aus dem Regal holte (selbstverständlich nicht die erste - wer weiß, wer da alles schon drangefasst hat?!).
Das erste, was mir ins Auge stach, war die von hochqualifizierten Grafik-Designern neu gestaltete Verpackung, die durch ein kleines Fähnchen auf den "extra cremigen und fruchtigen" Geschmack hinweist. Nun gut, für die, die es noch nicht mitbekommen haben... dachte ich mir! Doch dann standen plötzlich die Vier Apokalyptischen Reiter hinter mir, als ich die Nährstofftabelle der Suppe kontrollierte. 19 (!) Gramm Fett pro 100g Trockenprodukt, statt der üblichen seriösen 8g Fett? Wo leben wir denn? Ein Vermerk auf der Vorderseite wäre wünschenswert gewesen, wurde aber vergeblich gesucht. Frustriert und am Boden zerstört stopfte ich das "Verräterpäckchen" schleunigst zurück in den Karton und vierließ den Supermarkt mit leerem Magen und vollem Kopf.
Zu Hause angekommen wählte ich alsbald die Nummer des Knorr Kundenservices, um meinem Ärger Luft zu machen. Eine freundliche Mitarbeiterin (immerhin) versicherte mir lediglich, dass die Firma Knorr stets bemüht sei, ihren Kunden beste Qualität auf hohem Niveau zu bieten.
- NICHT! -


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