Ich stelle jetzt mal eine gewagte These auf: Es gäbe wesentlich weniger Unfälle, Ausraster, zwischenmenschliche Krisen und kaputte Stimmbänder, wenn es mindestens ein generelles Überholverbot für LKWs auf deutschen Autobahnen gäbe. Warum?
Fangen wir doch am Anfang an. Was sagt eigentlich der Gesetzgeber? Der schreibt in §3 Abs 3 Nr. 2a der Straßenverkehrsordnung (StVO) folgendes vor:
(3) Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt auch unter günstigsten Umständen
2. außerhalb geschlossener Ortschaften
a) für Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 3,5t bis 7,5t, ausgenommen Personenkraftwagen, für Personenkraftwagen mit Anhänger, für Lastkraftwagen und Wohnmobile jeweils bis zu einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 t mit Anhänger sowie für Kraftomnibusse, auch mit Gepäckanhänger 80 km/h, [...]
Aha. Hier steht schonmal, dass Lastkraftwagen ausserhalb geschlossener Ortschaften 80 km/h fahren dürfen. Jetzt sind wir mal so mutig und erklären Autobahnen für nicht geschlossene Ortschaften. Wenn man nur 80 km/h mit einer gewissen Toleranz, die die Damen und Herren und dunkelblau und beige/grün einräumen, fahren darf, dann kann sich selbst der einfachste Brummi-Holger ausrechnen, dass wenn man einen Kollegen überholen möchte, es einfach nicht so schnell geht, wie mit einem, sagen wir mal, Mercedes AMG...
Da ist man nicht mal eben in 100 Metern vorbei, da kann sich die ganze Chose mal schnell über ein oder zwei Kilometer ziehen. Kluge Menschen mit genug Zeit können sich die Strecke, die ein Lastkraftwagen mit 85 km/h und x Metern Länge braucht, um einen anderen anderen, der mit 80 km/h fährt und ebenfalls x Meter lang ist, zu überholen, selber ausrechnen. Kleiner Tipp: Es werden keine 100 m sein.
Jetzt ist es aber so, dass auf Autobahnen genau ein simples Gesetz herrscht: Je schneller das Auto, desto weiter links darf es fahren. Da muss man nur einmal seine Augen offen halten. Auf der linken Spur finden wir alles, was teuer und schnell ist. Wie in einem Uhrwerk geht es dabei zu: Mercedes CLS, 7er BMW, Audi A5, Porsche Cayenne. Und wieder von vorne. Dass sich ein unterer Mittelklassewagen wie ein VW Golf, Seat Leon oder Opel Astra von der mittleren auf die linke Rennspur verirrt ist relativ selten. Kommt aber doch mal vor. Und zwar genau in dem Moment, wenn ein LKW von der rechten Spur den anderen überholen will. Denn denen gehört ja zum Glück die Strasse. Dem Himmel sei Dank regiert ja hier auch das Recht des Stärkeren. Verdammt.
Da ist man nichts böses ahnend mit gemächlichen 140 km/h auf dem mittleren Streifen unterwegs und auf einmal muss man geistesgegenwärtig ausweichen oder auf 80 km/h runterbremsen (ist ja auch gar nicht gefährlich, wenn der Hintermann einem an der Stoßstange klebt). Dann gibt es diese eine Sekunde, in der sich alles entscheidet. Nach links ausweichen? Einmal bei den Großen mitspielen? Oder mit 60 km/h weniger die oben errechnete Strecke hinter einem LKW hertrotten?
Ich wich aus. Ich war mutig. Ich riskierte es. Fuhr im VW Golf TUI Edition kühn auf der Spur der richtigen Autos mit. Doch leider verpasste ich dadurch auch meine Ausfahrt und musste einen 33 km langen Umweg in Kauf nehmen. Tat ich auch (mir blieb ja nichts anderes übrig). Aber nur sehr widerwillig. Und unter sehr lautem Fluchen. Über 33 km. Zu spät, zu abgenervt und definitiv zu wütend kam ich an meinem Ziel an und überlege seitdem, mich nachts auf Raststätten zu schleichen und LKW-Reifen aufzuschlitzen...
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